Was kann denn schon so schlimm an einem einfachen Browlifting sein? Tja, das habe ich mir auch gedacht und wurde schnell eines Besseren belehrt. Warum ich nach diesem Beauty-Treatment einfach nur gerne im Erdboden versunken wäre und mich vor der gesamten Menschheit versteckt habe, lest ihr hier.

Ich sag nur so viel: Angry Bird lässt grüßen!

Wie mich ein Browlifting an meine Grenzen getrieben hat

Es ist Sommer. Und somit ist auch alles möglich. Also fast alles – aber ihr wisst schon, was ich meine. Und da ich im Sommer meistens wie ausgewechselt bin und – vor allem, wenn es in den Urlaub geht – mich plötzlich traue, sämtliche Beauty- und Fashiontrends auszuprobieren, war es in diesem Jahr an der Zeit, meine Augenbrauen liften zu lassen. Ohne Spritzen und Skalpell, versteht sich. Sondern bloß mittels Chemie (als ob das so viel besser ist).

Natürlich hat man immer eine vage – ach was rede ich – eine exakt genaue und detaillierte Vorstellung davon, wie das Endergebnis einfach aussehen MUSS. Umso ernüchternder ist dann meistens das, was man schlussendlich zu sehen bekommt. Und ich werde nicht lügen: Mich hat es nach dem ersten Blick in den Spiegel fast umgehauen. Und zwar nicht im positiven Sinn. Klar, ich habe mir jetzt keine Augenbrauen à la Cara Delevingne vorgestellt, aber ein kleiiiines bisschen mehr „POW“ statt „Um Gottes Willen, was habe ich nur getan“, wäre meiner Meinung nach schon drinnen gewesen.

An dieser Stelle muss ich allerdings zugeben, dass mich die überaus sympathische Kosmetikerin in dem unfassbar schönen und stilvollen Beauty-Salon im Vorhinein bereits davor gewarnt hat, nachdem sie sich mehrmals versichert hat, ob ich das Browlifting wirklich zum ersten Mal mache und in etwa weiß, worauf ich mich da einlasse. Spätestens hier hätten meine Alarmglocken eigentlich läuten sollen, was das Zeug hält. Aber Instagram-verseucht wie ich nun mal bin, habe ich mir eingebildet, dass ich das unbedingt machen möchte und dass es bestimmt unheimlich gut aussehen wird. Spricht ja auch absolut nichts dagegen.

Also, um die Worte der Kosmetikerin wiederzugeben: Gerade das erste Mal kann sehr gewöhnungsbedürftig sein und einen erstmal ein bisschen schockieren. Cool. Um mich bei meiner Browlifting-Entjungferung zu schonen, hat sie mir dann immerhin zu einer „natürlichen Form“ geraten und empfohlen, die Augenbrauen fürs Erste in einem helleren Ton zu färben, der sich nicht allzu sehr von meiner natürlichen Farbe abhebt. Bis dahin dachte ich nämlich wirklich, dass die Farbe auf meinen Brauen mein größtes Problem wären. Oh, was I wrong …

Was habe ich nur getan?

Nachdem ich eine Zeit lang auf der durchaus bequemen und ultra kuscheligen Behandlungsliege verweilt habe (musste natürlich die Chance ergreifen und auch gleich ein Lashlifting dazubuchen), präsentierte mir die Kosmetikerin ihr Endergebnis. Könnt ihr euch vorstellen, dass ich ein bisschen nervös war und einen Ticken zu lange gezögert habe, bis ich ihr den kleinen Spiegel aus der Hand genommen und mein literally neues Ich angesehen habe? Tja, so war das eben. Spätestens jetzt hat sie den Braten auch gerochen und mir erstmal einen Haufen Komplimente gemacht.

„Das sieht sooo gut aus!“, „Das ist wirklich total angesagt“, „Steht dir ausgezeichnet“ – okay, nach diesen Worten steigerte sich meine Vorfreude. Bis sie dann sagte: „Du wirst dich bestimmt schnell dran gewöhnen“. Und ab da wusste ich, dass ich heute besser nicht mehr außer Haus gehe. Und dann kam der Moment. Ich wagte einen Blick in den Spiegel. Und ich meine es vollkommen ernst, wenn ich sage, dass mein Herz kurz ausgesetzt hat und ich einen Moment lang nicht wusste, ob ich gerade einen Fiebertraum erleide.

Ich habe diesen Menschen, der mir da mit einem unendlich überraschten Blick entgegenstarrt, nicht wiedererkannt. Bin das wirklich ich? Warum sehe ich aus wie ein Angry Bird? Seit wann habe ich so dermaßen viele Augenbrauen? Denn Fun-Fact: Auch wenn ich ca. die fünffache Menge an Haaren am Kopf habe, als der Durchschnittsmensch, sind meine Augenbrauen aus irgendeinem Grund leer ausgegangen. Umso erstaunlicher, dass plötzlich Zentimeter-breite Balken in meinem Gesicht prangern. Na toll, so muss ich jetzt also hinaus in die große weite Welt. Dass die Kosmetikerin allerdings fachlich einwandfrei gearbeitet hat und ich mich unwahrscheinlich wohlgefühlt habe, steht hier außer Frage!!

So, und jetzt?!

Vorsorglich wie ich bin, habe ich den Browliftig-Termin extra vor einem zweiwöchigen Urlaub gewählt. Denn Gott bewahre, SO kann ich mich mit Sicherheit nicht im Office blicken lassen! Leider habe ich dabei allerdings auf eine Sache vergessen: Ich musste an dem Tag, an dem das große Desaster stattgefunden hat, noch einige Vor-Urlaubs-Erledigungen in der Stadt machen. Außerdem standen mir noch eine dreistündige Zugfahrt und ein Abendessen mit meinem Freund bevor. Dabei wollte ich mich am liebsten einfach nur noch vor allen verstecken.

Aber zurück zum Eigentlichen: Während der Behandlung musste ich meine Kontaktlinsen entfernen (weil Lashlifting, ihr wisst Bescheid). Also dachte ich zuerst, dass meine Sicht vielleicht einfach nur etwas verzerrt ist. Doch als ich die kreisrunden Sehhilfen wieder in meinen Augen hatte, wurde auch diese Hoffnung binnen Sekunden zerstört. Es wurde sogar noch schlimmer. Denn jetzt sah ich das Ergebnis auch in seiner vollen Pracht.

Je länger ich mich angeschaut habe, desto schlimmer fand ich meinen Anblick. Am liebsten hätte ich noch direkt im Beauty-Salon meine extra-große Sonnenbrille aufgesetzt. Mit gesenktem Kopf ging ich dann zur Kassa, in der Hoffnung, dass mich niemand, wirklich niemand sehen kann. Immerhin trat das ein. Doch ich wusste, dass ich gleich raus auf die Straße und rein in die Öffis musste. Dann begann mein Hirn auch schon zu rattern. Wenn ich jetzt mit der U-Bahn fahre, bin ich zwar schneller am Ziel und kann mich verstecken, aber dafür müsste ich meine Sonnenbrille abnehmen. Denn wer läuft schon mit verdunkelten Brillen durch die eh schon dunklen U-Bahn-Gänge und setzt sich dann auch noch SO in die Bahn? Ich sicher nicht.

Lasset das Versteckspiel beginnen

Also fiel meine Wahl auf die Straßenbahn. Mit Sonnenbrille UND Mund-Nasen-Schutz war ich Mrs. Inkognito höchstpersönlich. Während der Fahrt las ich nochmal nach, wie lange ein Browlifting anhalten würde. SECHS BIS ACHT WOCHEN war die Antwort, die mir Google ausspuckte. Toll. So viele Urlaubstage habe ich nun auch wieder nicht. Irgendwann musste ich meine sichere Zone dann jedenfalls wieder verlassen. Denn ich hatte ja noch einiges zutun. Mein Versuch mich selbst zu beruhigen ging nicht lange gut. Ich redete mir zwar ein, dass ich sowieso in einer Großstadt lebe, dort jeder herumläuft, wie er möchte und, dass die Menschen auf der Straße ja nicht wissen, wie meine Augenbrauen sonst aussehen.

Erster Stopp: Apotheke. Ich befolgte den Rat der Kosmetikerin, Rizinusöl zu besorgen, damit meine Wimpern und Augenbrauen auch immer schön gepflegt und gesund aussehen. Als ich meine Bestellung aufgab, musterte mich der Apotheker und sagte bloß einen Satz: „Für die Augenbrauen?“ Kein Scherz! Meinem geschockten Blick nach zu urteilen hat er mich daraufhin aber nett angelächelt und mir das kleine Fläschchen kommentarlos überreicht. Okay, erste Etappe geschafft.

Meine Theorie, dass anderen mein verändertes Aussehen gar nicht auffallen kann, fiel damit also auch ins Wasser. Bei Stopp Nr. 2 versuchte ich dann meine Curtain-Bangs, die zu diesem Zeitpunkt leider schon viel zu lange waren, so über meinen Augenbrauen zu verteilen, dass niemand sieht, was darunter abgeht. Doch so wie mich die Praktikantin beim Optiker angestarrt hat, war auch diese Maßnahme vollkommen sinnlos.

Ein Zwischenstopp aus purer Verzweiflung

In meiner Verzweiflung bin ich dann zu meinem Friseursalon des Vertrauens gelaufen, der glücklicherweise auf dem Weg lag. Mein Plan: Ich wollte meine Stirnfransen so schneiden lassen, dass sie mein Brauen-Desaster verdecken. Immerhin schien ich hier einen guten Timeslot erwischt zu haben, denn außer einem Kunden war nur das Personal anwesend. Zu meinem Glück traf ich auch sofort auf meine langjährige Frisörin, die ich wirklich sehr schätze. Ich schien sie aber sehr verzweifelt angesehen zu haben, denn sie stürzte sofort auf mich zu und fragte: „Was ist denn passiert???“

Dann hab ich wortlos meine Stirnfransen nach oben geschoben und ihr die freie Sicht auf meine Augenbrauen gewährt. Stille, Stille, Stille. Dann prustete sie plötzlich los. Und dann prustete ich los. Und wir lachten und lachten einige Minuten lang, bis wir keine Luft mehr bekommen haben. Sie hat mich zwar beruhigt und gesagt, dass es wirklich nicht schlimm aussieht – gleichzeitig hat sie aber auch genau das getan, was ich in diesem Moment gebraucht habe: Sie hat mir einen Pony verpasst, der in etwa zwei Zentimeter unter meinen Brauen endete. PERFEKT!

Der plötzliche Sinneswandel

Und ab diesem Zeitpunkt konnte ich mich endlich etwas entspannen und auf meinen Urlaub freuen. Denn keiner wusste, was sich unter der Wand aus Haaren auf meiner Stirn befindet. Nicht einmal mein Freund. Denn ich habe mich tatsächlich geweigert, ihm meine Brauen zu präsentieren. Nett wie er ist, hat er das auch akzeptiert und mich nicht weiter damit genervt, obwohl ich genau wusste, dass er es vor Neugier kaum ausgehalten hat.

Einen Tag später befand ich mich dann auch schon im Paradies – und dort war es mir auch vollkommen wurscht, was sich die Menschen um mich herum dachten. Irgendwann habe ich mich dann mit meinem Schicksal abgefunden. Und seltsamerweise fanden weder mein Freund noch meine Familie mein Aussehen merkwürdig. Und auch sonst schien mich plötzlich niemand mehr erstaunt anzublicken. Lag das an meinem Pony, der die Brauen verdeckt? Oder einfach an meiner veränderten Ausstrahlung, die jetzt plötzlich nicht mehr vermittelte, einfach nur unsichtbar sein zu wollen?

Die Prognose der Kosmetikerin bewahrheitete sich tatsächlich: Ich habe mich daran gewöhnt. Langsam fand ich auch wirklich gefallen daran, denn ich musste meine Brauen (bis heute) nicht stylen. Mein Fazit: Es ist nie schlecht, etwas Neues auszuprobieren – man sollte sich vielleicht nur nicht so reinsteigern, wie ich es getan habe. Denn diese Unsicherheit, die eigentlich vollkommen unbegründet ist, spürt auch mein Umfeld und reagiert dementsprechend. Außerdem habe ich das Browlifting auch für MICH gemacht. Und schlussendlich hat es mir auch gefallen – und das ist doch alles, was zählt, richtig?

So, und wer jetzt neugierig geworden ist, wie ich als Angry Bird aussehe: Here you go!

Werde ich es wieder tun? Ja, natürlich. Werde ich mich danach wieder grenzenlos genieren? Wahrscheinlich. Werde ich den Termin vor einem verlängerten Wochenende buchen? Definitiv.