Du hast 1995 als Chefdesigner bei Adidas begonnen. Wie hat sich das Modebewusstsein in den ­letzten 20 Jahren verändert?

Es ist alles einheitlicher geworden. Das liegt daran, dass die jungen Menschen auf der ganzen Welt von den­selben Stars beeinflusst werden, die gleichen Blogs ansehen, die gleichen Magazine lesen und dieselben Popstars toll finden. Egal, wo jemand wohnt: Die Informationsquellen sind gleich. Das war vor 20 Jahren ganz anders.

An welchen Trends kommen wir jetzt nicht vorbei?

Ich glaube, dass die Geschlechtergrenzen noch weiter verschwimmen. Es fing ja mal an mit der Boyfriend-Jeans, dass sich Frauen am Kleiderkasten der Männer bedienten. Das hat damit zu tun, dass immer mehr Frauen ein eigenständiges, erfolgreiches Leben führen und Rollen ausführen, die ihnen früher nicht zugedacht waren. Ich finde das toll, denn es sollte keine Rolle spielen, ob jemand eine Frau oder ein Mann ist! Aber egal ob Mann oder Frau, an einem schön ­geschnittenen Mantel kommen wir diese Saison nicht vorbei.

Und wie sieht der jetzt idealerweise aus?

Am besten sollte man in einen hochwertigen Mantel investieren, den man länger hat. Diese Saison werden lange Mäntel mit traditionellen Elementen – inspiriert von Trachten – eine große Rolle spielen.

Und was ist definitiv over?

Das ist schwierig, denn man sagt ja, alles kommt irgendwann mal wieder. Aber: Die Zeiten des Bling-Bling sind definitiv over. Sonst kann man alles tragen. Es kommt immer darauf an, wie jemand etwas trägt. Es gibt nichts Schlimmeres als Uniformität!

Mistest du deinen Kasten regelmäßig aus?

Ja, ich miste alle drei Monate radikal aus und verschenke viele Sachen an Freunde und Geschwister oder ich spende Sachen – sonst würde mein Kasten aus allen Nähten platzen!

Wie hast du deinen Stil gefunden?

Übung macht den Meister! Natürlich liegt man mal daneben – aber das gehört dazu. Mich hat Sportswear schon immer interessiert. Ich trage seit 30 Jahren Sneakers – und werde sie auch immer tragen!

Was ist für dich ein absolutes Style-No-Go?

Was ich ganz schrecklich finde: Wenn eine Frau offene Schuhe oder Sandalen und darunter eine hautfarbene Strumpfhose trägt. Das ist das Schlimmste! Entweder ist es kalt, dann kannst du Strümpfe und geschlossene Schuhe anziehen – oder es ist warm, dann hat man einen schön pedikürten Fuß und lässt die Strümpfe weg!

Wie sieht dein perfektes Gammel-Outfit aus?

Eine Baumwolljogginghose, bequeme, ausgeleierte Kaschmirsocken, T-Shirt und Kapuzenpulli. Dann in einer Decke eingemurmelt mit einem Buch auf dem Sofa liegen – so gammle ich am liebsten!

Kurz & Knapp

Ready to wear: Michalsky steht für sportlich-elegante Mode, die auch abseits des Laufstegs tragbar ist. Vor allem seine Sneakers und seine ausdrucksstarken Styles werden international gefeiert. Sein Motto: „Real clothes for real people“.

Mode, Schuhe, Taschen, Brillen, Sofas, Parfums – es gibt kaum etwas, das der deutsche Designer noch nicht kreiert hat. Sein neuester Coup ist ein Parfum: MICHALSKY BERLIN duftet nach Mandarine, Jasmin- und Rosenöl und Moschus und ist ab Oktober erhältlich.

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