Von der Tradition zur Moderne: Heimisches Weißkraut und der Trend der Chicken-Guacamole-Bowls

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Wer an gesundes, vitaminreiches und zugleich preiswertes Gemüse denkt, kommt am klassischen Weißkraut kaum vorbei. Besonders in der kälteren Jahreszeit ist dieser heimische Alleskönner, der in Österreich oft schlicht als Kraut bezeichnet wird, aus der Küche nicht wegzudenken. Doch moderne Ernährungsgewohnheiten bringen frischen Wind auf den Teller, wie etwa die beliebten „Bowls“, die internationale Aromen mit unkomplizierter Zubereitung vereinen. Wir werfen einen Blick auf beide Welten: den traditionellen Kohlklassiker und eine inspirierende Chicken-Guacamole-Variante.

Ein norddeutscher Riese auf österreichischen Tellern

Obwohl das Weißkraut auch hierzulande tief verwurzelt ist, liegt eines der größten Anbaugebiete Europas im schleswig-holsteinischen Dithmarschen. Dank der hervorragenden Lagerfähigkeit ist das Gemüse jedoch überall das ganze Jahr über frisch verfügbar, wobei frühe Sorten bereits im Sommer und spätere im Herbst geerntet werden. Wer beim Einkauf auf Qualität achtet, sollte nach festen Köpfen Ausschau halten, die einen leichten Glanz aufweisen. Ein entscheidendes Frischemerkmal ist das Verhalten der äußeren Blätter: Sie sollten knackig sein und beim Biegen brechen. Auch die Schnittfläche am Strunk verrät viel über den Zustand des Kohls; sie darf weder eingetrocknet noch gräulich verfärbt sein. Es empfiehlt sich zudem, zu unverpackter Ware zu greifen, da in Plastik eingeschweißtes Kraut dazu neigt, schneller zu faulen.

Lagerung und Vorbereitung für die Küche

Die richtige Lagerung ist entscheidend für den Erhalt der Vitamine. In einem kühlen, trockenen Keller hält sich ein ganzer Kohlkopf monatelang, während er im Kühlschrank etwa drei Wochen frisch bleibt. Angeschnittene Stücke sollten in ein feuchtes Tuch gewickelt werden, bevor sie ins Gemüsefach wandern. Dennoch gilt: Je zügiger der Verzehr, desto höher der Vitamingehalt. Vor der Verarbeitung werden die dicken Außenblätter entfernt, der Kopf geviertelt und gewaschen. Anschließend muss der Strunk sowie die groben Blattrippen herausgeschnitten werden. Je nach geplantes Gericht schneidet man das Kraut dann in feine Streifen für Rohkost oder etwas gröber für Schmorgerichte.

Vom Salat bis zur Roulade

Kulinarisch zeigt sich das Weißkraut enorm vielseitig. Für einen klassischen Krautsalat, der hervorragend zu Gegrilltem passt, sollte das fein gehobelte Gemüse einige Minuten kräftig mit den Händen durchgeknetet werden, um die Struktur weicher zu machen. Kombiniert mit geraspelten Karotten, Paprika, Gurke oder sogar geriebenem Apfel entsteht eine frische Beilage, die meist mit einem Essig-Öl-Dressing oder einer Joghurt-Zitrone-Marinade verfeinert wird.

In der warmen Küche macht das Kraut in Eintöpfen wie dem Irish Stew oder dem russischen Borschtsch eine gute Figur, eignet sich aber auch wunderbar für Aufläufe mit Erdäpfeln und Käse. Ein echtes Traditionsgericht sind natürlich die Krautrouladen. Hierfür blanchiert man ganze Blätter kurz in Salzwasser, schreckt sie ab und entfernt die harten Adern. Gefüllt werden diese, ganz nach Geschmack, mit einer Mischung aus Faschiertem oder einer vegetarischen Masse aus Hirse und gedünstetem Gemüse. Mit Küchengarn fixiert, schmoren die Rouladen anschließend gemütlich in Gemüsebrühe oder Tomatensauce.

Der moderne Kontrast: Chicken Guacamole Bowls

Wer nach den deftigen Rouladen Lust auf etwas Leichteres und Internationales hat, für den bietet sich eine Chicken Guacamole Bowl an. Dieses Gericht ist ein Paradebeispiel für moderne, effiziente Küche, bei der saftige Hühnerkeulen (ausgelöst und ohne Haut) gemeinsam mit buntem Gemüse auf nur einem Backblech geröstet werden. Das spart nicht nur Zeit, sondern auch Abwasch.

Das Besondere an diesem Rezept ist die Kombination aus warmen und kalten Komponenten. Die Basis bildet eine cremige Guacamole, auf der das heiße Hühnchen und das geröstete Gemüse serviert werden. Cotija-Käse sorgt für eine salzige Note, während ein Spritzer Limette die kräftigen Aromen abrundet. Ernährungsphysiologisch punktet dieses Gericht auf ganzer Linie: Hühnerkeulen liefern hochwertiges Protein und Eisen, während die Avocado mit gesunden einfach ungesättigten Fettsäuren und Ballaststoffen für ein langanhaltendes Sättigungsgefühl sorgt. Paprika steuert zudem eine beachtliche Menge Vitamin C und Antioxidantien bei.

Unkomplizierte Zubereitung im Ofen

Für die Zubereitung wird der Ofen zunächst auf etwa 230 Grad Celsius vorgeheizt. Paprikastreifen und rote Zwiebeln werden mit Olivenöl, geräuchertem Paprikapulver, Kreuzkümmel, granuliertem Knoblauch und Salz vermengt und auf einem großen Backblech verteilt. Während das Gemüse 10 bis 15 Minuten röstet, werden die Hühnerstücke mit einer ähnlichen Gewürzmischung und etwas Chilipulver mariniert.

Sobald das Gemüse leicht weich ist, wird der Ofen auf die Grillfunktion umgestellt. Das Hühnchen wird nun über dem Paprika-Zwiebel-Mix verteilt und alles zusammen nochmals für etwa sechs Minuten gegrillt, bis das Fleisch durchgegart ist – eine Kerntemperatur von 74 Grad Celsius ist hierbei ideal. Währenddessen lässt sich die Guacamole aus reifen Avocados, Koriander, fein gehackten Jalapeños, Limettensaft, Salz und Pfeffer anrühren. Wer wenig Zeit hat, kann natürlich auf fertiges Grillhendl oder gekaufte Guacamole zurückgreifen, doch die frische Zubereitung lohnt sich geschmacklich allemal. Serviert wird das Ofengericht schließlich direkt über der Guacamole, bestreut mit dem Käse – ein perfektes Zusammenspiel aus Tradition und Trend.