Laut des aktuellen Österreichischen Verhütungsreport 2019 des Gynmed-Ambulatoriums, bei dem das Marktforschungsinstitut INTEGRAL rund 1800 Österreicher zwischen 16 und 49 Jahren zu ihren Verhütungsmethoden befragt hat, nutzen immer weniger Frauen die Pille. Stattdessen bevorzugen sie hormonfreie Verhütungsmethoden. Insgesamt 60 Prozent der Befragten gaben an, dass eine hormonfreie Verhütung wichtig für sie sei. Ein Trend, den man bereits beim letzten Verhütungsreport vor vier Jahren feststellen konnte. Doch welche hormonfreien Alternativen gibt es eigentlich? Wir haben einige Methoden und ihren PEARL-Index für euch zusammengefasst. Dieser Index gibt an, wie sicher und zuverlässig die jeweilige Verhütungsmethode ist. Der Wert hält fest, wie viele von 100 Frauen in einem Jahr trotz der Methode schwanger wurden. Je niedriger der Wert, desto zuverlässiger das Verhütungsmittel.

Kupferspirale

Die Kupferspirale ist eine hormonfreie Langzeitverhütungsmethode. Im Gegensatz zur Pille oder zur Hormonspirale, beeinflusst sie den Eisprung und den Zyklus nicht. Die Spirale ist etwa 32 mm breit und 3,5 cm lang und wird in die Gebärmutter eingesetzt, wo sie durch einen kleinen Widerhakenbogen problemlos hält. Bei dieser Methode werden Kupferionen in der Gebärmutter freigesetzt, die die Mobilität der Spermien hemmen. Zudem verhindert der „Fremdkörper“, dass sich die Eizelle in der Gebärmutter einnisten kann. Die Spirale kann 3 bis 5 Jahre getragen werden. Per Ultraschall sollte regelmäßig kontrolliert werden, ob sie richtig sitzt. Etwa fünf Prozent der Frauen vertragen die Kupferspirale nicht, sie kann verrutschen oder sogar ausgestoßen werden. Sie hat einen PEARL-Index von 0,3 – 0,8.

Kupferkette

Die Kupferkette funktioniert im Prinzip wie die Kupferspirale, ist allerdings eine kleinere Weiterentwicklung der Spirale. Wie die Kupferspirale, wird auch die Kupferkette während der Menstruation eingesetzt, da der Muttermund zu diesem Zeitpunkt bereits leicht geöffnet ist und das Einsetzen dadurch einfach und weniger schmerzvoll ist. Zuvor muss abgeklärt werden, ob der Gebärmuttermuskel dick genug ist. Die Kupferkette bietet ebenfalls bis zu 5 Jahre Schutz. Sie hat einen PEARL-Index von 0,1 – 0,5.

Goldspirale

Neben Kupferkette und Kupferspirale, ist auch die Goldspirale eine hormonfreie Langzeitverhütung. Der Unterschied ist eigentlich nur das Material. Auch die Goldspirale hat wie die Kupferspirale einen T-förmigen Kunststoffträger, um den ein Kupferdraht gewickelt ist, der allerdings auch einen kleinen Goldkern enthält. Der Goldanteil soll die Haltbarkeit des Kupferdrahtes verlängern und besser vor Infektionen schützen. Es verhindert beispielsweise, dass das Kupfer brüchig wird. Die Verhütung selbst passiert ebenfalls durch die Ausschüttung von Kupferionen. Sie hat einen PEARL-Index von 0,7 und kann bis zu 5 Jahre verhütend wirken. Auch bei der Goldspirale sollte regelmäßig per Ultraschall kontrolliert werden, ob sie richtig sitzt. 

Temperaturmethode

Eine weitere Verhütungsmethode ohne Hormone, ist die sogenannte Temperaturmethode, die allerdings etwas Disziplin erfordert. Dabei müssen nämlich regelmäßig die eigenen Körperwerte festgehalten und kontrolliert werden. Diese Methode sollte nach Absetzen der Pille erst dann angewendet werden, wenn sich der Zyklus ohne Hormone wieder reguliert hat und die Regelblutungen regelmäßig kommen. Die Temperaturmethode kann sowohl zur Verhütung, als auch für den Kinderwunsch eingesetzt werden. Dabei wird jeden Morgen die sogenannte Basaltemperatur gemessen, also die Körpertemperatur direkt nach dem Aufwachen. Nach dem Eisprung ist die Körpertemperatur erhöht. So kann festgestellt werden, wann die fruchtbaren Tage einsetzen. Die Temperaturmethode wird am besten in Kombination mit der regelmäßigen Kontrolle des Ausflusses angewendet. Meist ist die Konsistenz klebrig oder sogar klumpig, die Farbe durchsichtig. Verändert sie sich hin zu milchig-weiß und flüssig, nähert man sich dem Eisprung. Dann muss zusätzlich mit Kondom verhütet werden. Aber Achtung: Diese Methode ist nur dann sicher, wenn du deinen Körper täglich diszipliniert untersuchst. Wer sehr genau ist, kann einen Pearl-Index von 0,3 erzielen. Apps können beim Festhalten und Kontrollieren der Werte helfen.

Kondom

Wer auf Langzeitmethoden lieber verzichten will oder für den die Temperaturmethode zu kompliziert ist, eignet sich die Verhütung mit Kondom am besten. Bei korrekter Anwendung sind Kondome durchaus sicher. Außerdem ist es das einzige Verhütungsmittel, das nicht nur vor einer ungewollten Schwangerschaft, sondern auch vor ansteckenden Geschlechtskrankheiten schützt. Der Pearl-Index bei Verhütung nur mit Kondom liegt allerdings zwischen 2 und 10.

Diaphragma

Das Diaphragma wird vor dem Geschlechtsverkehr mit Spermizid Gel in die Scheide eingeführt. Es sitzt dann vor dem Muttermund und wirkt wie eine Barriere. Richtig eingeführt, ist es nicht spürbar, allerdings kann es etwas dauern, bis man gelernt hat, wie man es richtig einsetzt. Sollte dies nicht der Fall sein, ist diese Verhütungsmethode sehr unsicher. Pearl-Index: 1 bis 20.

Um die optimale Methode für euch zu finden, solltet ihr am besten ein ausführliches Gespräch mit eurem Frauenarzt führen. Gemeinsam mit ihm könnt ihr die ideale Verhütungsmethode für eure Bedürfnisse und eure aktuelle Lebenssituation finden.