Herbstliche Seelenwärmer: Wenn Deftiges aus dem Ofen den Feierabend rettet

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Es gibt diese Tage, an denen der Magen knurrt, die Zeit knapp ist und das Verlangen nach etwas Warmem, Bodenständigem übermächtig wird. Genau in solchen Momenten schlägt die Stunde der sogenannten „One-Pot“-Gerichte, bei denen sich der Abwasch in Grenzen hält, während der Geschmack keine Kompromisse eingeht. Wir haben zwei Varianten unter die Lupe genommen, die nicht nur den Hunger stillen, sondern auch echtes Soulfood-Potenzial haben: Ein texanisch-mexikanischer Hendl-Auflauf und eine raffinierte Bohnenpfanne à la französische Zwiebelsuppe. Beide Gerichte beweisen, dass schnelle Küche durchaus raffiniert sein kann.

Ein Hauch von Mexiko in der heimischen Küche

Der „Chicken Fajita Rice Bake“ ist im Grunde ein Auflauf, der alle Stückln spielt. Er vereint saftige Hühneroberkeulen mit einer bunten Mischung aus Paprika, gesunden Wachtelbohnen und ballaststoffreichem Naturreis. Das Geheimnis liegt hier in der Kombination aus frischen Zutaten und klugen Abkürzungen aus dem Vorratsschrank. Dosen-Tomaten und grüne Chilis sorgen für die nötige Würze, ohne dass man stundenlang in der Küche stehen muss.

Dabei ist gerade die Wahl des Fleisches entscheidend. Hühneroberkeulen sind, anders als die oft trocken werdende Brust, eine Mischung aus hellem und dunklem Fleisch. Der etwas höhere Fettgehalt fungiert hier als Geschmacksträger und garantiert, dass das Fleisch im heißen Rohr saftig bleibt. Zudem liefern sie wichtige B-Vitamine, die den Stoffwechsel auf Trab halten. Wer es noch eiliger hat, kann hier übrigens tricksen: Statt das rohe Fleisch anzubraten, greift man einfach zu einem fertig gegrillten Hendl (Grillhähnchen), zupft das Fleisch ab und gibt es erst gegen Ende der Garzeit hinzu.

Warum die Dose besser ist als ihr Ruf

Ernährungsphysiologisch muss man sich bei diesem Gericht absolut kein schlechtes Gewissen machen, im Gegenteil. Die Verwendung von Dosen-Tomaten ist hier sogar ein gesundheitlicher Pluspunkt. Zwar enthalten frische Tomaten bereits das Antioxidans Lycopin, doch durch das Erhitzen bei der Konservierung wird dieser entzündungshemmende Stoff für den Körper noch besser verfügbar. Kombiniert mit den resistenten Stärken der Bohnen, die der Darmflora schmeicheln, ist dieser Auflauf ein echtes Kraftpaket.

Die Zubereitung ist denkbar einfach, erfordert aber ein wenig Fingerspitzengefühl beim Anbraten. In einer ofenfesten Pfanne wird das Fleisch zunächst scharf angebraten – lassen Sie es ruhig einen Moment ungestört liegen, damit sich eine schöne goldbraune Kruste bildet. Nachdem das Fleisch kurz beiseitegestellt wurde, kommen Zwiebeln und Paprika in das verbliebene Fett. Erst wenn das Gemüse leichte Röstspuren zeigt, wandern Reis, Tomaten samt Saft und die Bohnen zurück in die Pfanne. Gekrönt wird das Ganze mit einer ordentlichen Schicht Cheddar-Jack oder einer vergleichbaren mexikanischen Käsemischung. Nach einer Viertelstunde im heißen Ofen blubbert der Käse verlockend, und frischer Koriander sowie knackige Radieschen sorgen für den frischen Biss beim Servieren.

Französische Bistrokultur trifft auf Bohneneintopf

Wem der Sinn eher nach europäischer Gemütlichkeit steht, der wird bei der „French Onion Skillet Beans“ fündig. Dieses Gericht ist eine Hommage an die klassische französische Zwiebelsuppe, interpretiert diese aber als sämiges Hauptgericht neu. Die Basis bilden hier natürlich Zwiebeln – und zwar reichlich davon. Rund eineinhalb Pfund gelbe Zwiebeln werden in Olivenöl geduldig geschmort. Hier ist Geduld eine Tugend: Geben Sie den Zwiebeln Zeit. Unter Zugabe von etwas Rindsuppe garen sie fast eine halbe Stunde, bis sie tiefbraun und karamellisiert sind.

Der Clou dieses Gerichts ist die Kombination dieser süßlichen Zwiebelbasis mit milden Riesenbohnen (Butterbohnen) und einem Schuss Sherryessig, der die nötige Säure beisteuert um die Schwere zu brechen. Thymian unterstreicht die erdige Note. Anders als beim mexikanischen Pendant wird hier nicht gebacken, sondern finalisiert unter dem Grill des Backofens.

Das knusprige Finale

Sobald sich die Aromen von Zwiebeln, Bohnen und Brühe im Topf vereint haben und die Flüssigkeit sämig eingekocht ist, kommt der große Auftritt des Käses. Eine Mischung aus würzigem Gruyère und schmelzfreudigem Fontina wird über die Bohnen gestreut. Doch damit nicht genug: Eine Schicht Panko-Brösel sorgt für den unverwechselbaren „Crunch“.

Für die letzten paar Minuten wandert die Pfanne unter die Grillfunktion des Ofens (oder bei sehr hoher Oberhitze ins obere Drittel). Das Ziel ist eine goldbraune, blubbernde Käse-Brösel-Decke, unter der sich die heißen Bohnen verstecken. Es ist ein Gericht, das in unter einer Stunde auf dem Tisch steht, aber schmeckt, als hätte es den ganzen Nachmittag auf dem Herd geköchelt. Ob man sich nun für die feurige Tex-Mex-Variante oder die elegante französische Version entscheidet – beide Rezepte beweisen eindrucksvoll, dass schnelle Küche unter der Woche keinesfalls langweilig sein muss. Mahlzeit.