Impulse für die Natur: Amerikanische Botanische Gärten auf Expansionskurs

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In den Vereinigten Staaten zeichnet sich derzeit eine deutliche Aufbruchsstimmung in der Landschaftsarchitektur und im Naturschutz ab. Zwei prominente Institutionen, der Idaho Botanical Garden und der Lake Champlain Botanical Garden, haben fast zeitgleich ambitionierte Projekte angekündigt, die weit über das bloße Anpflanzen von Blumen hinausgehen. Während in Idaho die Bagger bereits für eine nachhaltige Erweiterung bereitstehen, begibt man sich im Bundesstaat New York auf die strategische Suche nach einem neuen, weitläufigen Zuhause.

Nachhaltiges Wachstum in Idaho

Der Idaho Botanical Garden hat eine umfassende Erweiterung um zehn Acres in Angriff genommen. Das primäre Ziel dieses Vorhabens ist es, das Besuchererlebnis grundlegend zu verbessern und dabei den Gedanken der Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt zu rücken.

Colin Lyman, der Direktor für Gartenbau vor Ort, erläutert die Philosophie hinter den Bauarbeiten: „Die erste Phase dieser Expansion konzentriert sich auf die Vergrößerung unserer Kapazitäten. Aber es geht nicht bloß um Asphalt – wir schaffen ein ‚Parking Garden‘-Erlebnis. Besucher sollen bereits beim Einfahren in den neuen Eingangsbereich von Natur umgeben sein.“ Zusätzlich seien ein Lehrarboretum sowie ein therapeutischer Garten geplant, um den Bildungsauftrag der Institution zu stärken.

Besonders faszinierend sei laut Lyman die Dynamik eines solchen Projekts im Vergleich zu klassischer Architektur. „Das Einzigartige an Gärten ist, dass sie nicht wie Gebäude sind. Ein Haus baut man, und dann ist man fertig; man kommt vielleicht in 40 oder 50 Jahren zurück, um es zu sanieren. Ein Garten hingegen wächst immer weiter, er verändert sich ständig – er ist ein lebendiges Ökosystem.“

Barrierefreiheit als Priorität

Ein wesentlicher Aspekt der Planung in Idaho ist die Inklusion. Das Projekt wird vollständig den ADA-Richtlinien (Americans with Disabilities Act) entsprechen. Geplant ist ein offener Bereich von gut 10.000 Quadratfuß (ca. 930 Quadratmeter), der speziell mit Hochbeeten und unterfahrbaren Pflanzkästen ausgestattet wird. „Das ermöglicht Menschen im Rollstuhl einen barrierefreien Zugang zum Gärtnern“, so Lyman.

Da es sich bei dem Garten um eine Non-Profit-Organisation handelt, setzt man stark auf die Unterstützung aus der Bevölkerung. Bereits mit einer Spende von 50 Dollar kann ein Baum finanziert werden – eine Initiative, die über die Webseite des Gartens abgewickelt wird und die Gemeinschaft direkt in das Wachstum des Areals einbindet.

Visionen am Lake Champlain

Während in Idaho die Pläne bereits konkret werden, steht der Lake Champlain Botanical Garden vor einem strategischen Neuanfang. Die Verantwortlichen gaben offiziell bekannt, dass man auf der Suche nach einem rund 100 Acres umfassenden Grundstück in der Gegend von Westport ist.

Dieses Areal soll künftig als Fundament für einen öffentlichen Garten von Weltklasse dienen. Der Fokus liegt hierbei klar auf der Bewahrung und Erforschung der heimischen Flora der Adirondack Mountains sowie der Bildung der Gemeinschaft im Einzugsgebiet des Lake Champlain. Der geplante Standort soll eine vielfältige Mischung aus botanischen Sammlungen, gepflegten Schaugärten sowie geschützten natürlichen Lebensräumen beherbergen.

Ein neues Zentrum für den Ökotourismus

Mit der Verankerung in der Region Westport verfolgt der Garten das Ziel, eine Ressource für die Gemeinde zu schaffen, die nicht nur durch ihre gärtnerische Schönheit besticht, sondern auch die lokale Biodiversität zelebriert. Langfristig soll hier eine erstklassige Destination für den Ökotourismus im Essex County entstehen.

„Wir halten Ausschau nach einer Landschaft, die den einzigartigen Geist der Lake-Champlain-Region einfängt“, erklärt Elizabeth Maffey, die Schatzmeisterin des Vorstands. Ein Gelände von dieser Größe biete den idealen Maßstab, um formale gärtnerische Anlagen mit bedeutenden Naturschutzbemühungen in Einklang zu bringen. „Dies ist eine Einladung an die Gemeinschaft, uns dabei zu helfen, ein dauerhaftes Zuhause zu finden, wo wir Menschen mit der Schönheit und Wichtigkeit unserer einzigartigen lokalen Umwelt verbinden können.“

Bei den Suchkriterien haben Grundstücke mit abwechslungsreicher Topographie, Nähe zum See oder zu bestehenden Naturkorridoren sowie guter öffentlicher Erreichbarkeit Vorrang. Die Initiative fügt sich nahtlos in das wachsende regionale Bewusstsein für Umweltverantwortung und nachhaltige Landnutzung ein.